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Am kommenden Freitag beginnt in Polen und der Ukraine die Fußball-Europameisterschaft. Unser Fußballexperte Johannes Burk erinnert sich an den letzten Triumph der deutschen Mannschaft und analysiert die Chancen der DFB-Elf auf den vierten EM-Titel.
Der letzte große Triumpf
16 Jahre ist es nun schon her, dass eine deutsche Fußball Nationalmannschaft einen Titel bei einem großen Turnier feiern durfte. Unvergessen bis heute bleibt das Golden Goal von Oliver Bierhoff zum 2:1-Finalsieg über Tschechien im altehrwürdigen Londoner Wembleystadion. Nie werde ich ihn vergessen, diesen Sommerabend am 30. Juni 1996, als mein Vater und ich, damals noch ein kleiner 10-jähriger Bub, vor lauter Freude siegestrunken im heimischen Wohnzimmer herum tollten und den EM-Sieg später mit einem Autokorso gebührend feierten. Ob Torhüter Andreas Köpke, Libero und Anführer Matthias Sammer, Kapitän Jürgen Klinsmann oder Eisenfuß Dieter Eilts, sie alle waren in meinen Panini-Sammelheftchen verewigt und sind noch immer meine Helden.
Jung statt Alt: Der DFB im Strukturwandel
Seit damals hat sich viel verändert im deutschen Fußball. Die Deutschen galten immer als spielerisch limitierte Mannschaft, die sich mit ihrem Kampfgeist,ihrer mentalen Stärke und dank ihrer Paradedisziplin Elfmeterschießen stets durch die Turniere und zu ihren Titeln biss. Nach einigen durchwachsen verlaufenen Turnieren wurden die Strukturen im DFB maßgeblich verändert. Unter der Führung des inzwischen zum DFB-Sportdirektor aufgestiegenen Matthias Sammer wurde die Förderung der zahlreichen vielversprechenden Talente in den Fokus gestellt. Aufstrebende junge Spieler wurden erfolgreich in den Kreis der Nationalmannschaft eingeführt, anstatt weiterhin größtenteils auf bereits satte Altstars zu setzen. Der Stamm der heutigen Nationalmannschaft besteht aus etlichen jungen technisch versierten Spielern wie Mario Götze oder Mesut Özil, der mit seinen 23 Lenzen schon zu den Stammkräften bei Real Madrid, dem ruhmreichsten Verein der Welt, gehört. Lukas Podolski zählt mit seinen 26 Jahren und über 90 Länderspielen bereits zu den alten Hasen im Team. Ganz Europa und selbst die in puncto Spielkultur und Spielfreude als Vorbild geltenden Brasilianer beneiden Deutschland mittlerweile um diese große Auswahl an außergewöhnlichen Talenten und sehen die Deutschen neben den Spaniern derzeit als das spielstärkste Team weltweit an.
Goldene Generation? – Ein großer Titel fehlt…noch
Doch damit die „goldene Generation“ um Spieler wie Bastian Schweinsteiger, Phillip Lahm oder Mesut Özil ihren glanzvollen Ruf veredeln kann und nicht als Titellose in die ruhmreiche deutsche Fußball-Historie eingehen will, fehlt noch ein Triumph bei einem großen internationalen Turnier. Nach den letzten hervorragenden Ergebnissen (WM-Dritter 2006 & 2010, EM-Zweiter 2008) ist die Zeit nun reif für den nächsten entscheidenden Schritt und es gibt nur ein Ziel. Die Schmach der letzten Niederlagen gegen die in den vergangenen Jahren übermächtigen Spanier vergessen machen und die Henri Delaunay-Trophäe nach 16 langen Jahren endlich wieder zurück nach Deutschland zu bringen.
Der Weg zum Titel führt nur über Deutschland und Spanien
Die Voraussetzungen hat die Elf von Bundestrainer Jogi Löw bereits in der Qualifikation geschaffen. Ihre Qualifikationsgruppe meisterte sie verlustpunktfrei und begeisterte die Nation mit attraktivem und effektivem Offensivfußball. Neben den Spaniern gehen die Deutschen als Topfavorit in den Wettbüros ins Rennen. Selbst die extrem schwere Vorrundengruppe mit Vize-Weltmeister Holland, den Dänen und den Portugiesen um Weltstar Christiano Ronaldo sollte die Mannen um Kapitän Lahm vor keine unlösbaren Aufgaben stellen. Kaum ein anderes Team ist mit so einem ausgeglichenen Kader wie die Deutschen bestückt. Auf nahezu jeder Position verfügt Löw über mehrere qualitativ gleich starke Optionen. Dadurch ergeben sich variable Aufstellungsvarianten, die es den Gegnern schwer machen, das deutsche Offensivspiel zu lesen und diesem adäquat entgegen zu wirken. Einzig die Spanier befinden sich dank des Gerüstes von Weltklassespielern von Real Madrid und der derzeit stärksten Vereinsmannschaft der Welt, dem FC Barcelona, mit der qualitativen und quantitativen Klasse der DFB-Elf auf Augenhöhe. Doch der große Vorteil der Deutschen gegenüber der „Furia Roja“, wie die spanische Mannschaft im eigenen Land genannt wird, könnte der Erfolgshunger sein, den es noch zu stillen gilt. Haben die Iberer in den letzten Jahren bereits die Europa- und Weltmeistertitel in eindrucksvoller Manier eingefahren, lechzen die Adlerträger nur so darauf, den so lang ersehnten Erfolg endlich feiern zu dürfen.
Auftakt gegen Portugal
Am Samstag geht es im ersten Spiel gegen die starken Portugiesen. Schlüssel zum Erfolg wird sein die One-Man- Show Christiano Ronaldo aus dem Spiel zu nehmen. Diese Herkulesaufgabe wird aller Voraussicht nach auf Rechtsverteidiger Jerome Boateng zukommen. Sollte dies gelingen und den Portugiesen das eigene flüssige Kombinationsspiel aufgezwängt werden können, sollte ein Sieg zum Auftakt eine lösbare Aufgabe sein. Mit einem Erfolg zu Turnierbeginn könnte man sich bereits vor dem wegweisenden Spiel gegen den Erzrivalen Holland eine glänzende Ausgangsbasis schaffen, um in das Viertelfinale einzuziehen. Ein erster Schritt, um in die großen Fußstapfen der Helden von 1996 zu treten, denn Neue Helden braucht das Land. Ich glaube an euch Jungs.
Ob die Fußstapfen der Idole von 1996 zu groß für unsere Jungs bleiben oder ob es tatsächlich Zeit für neue Helden wird, erfahrt ihr während der EM jede Woche im AhornTV EM-Blog.
Nächste Woche: Wie verlief der Turnierstart und das große Duell mit Erzrivale Holland.
Bis dahin viel Spaß beim Fußball schauen und kräftig die Daumen drücken!
Euer Johannes und das AhornTV-Team








